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Flucht- und Rettungsplan lesen: So kommen im Brandfall alle sicher raus

Can Kavak 29. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit
Flucht- und Rettungsplan lesen: So kommen im Brandfall alle sicher raus

Wenn der Alarm losgeht, bleibt keine Zeit zum Suchen. Die Antwort auf die Frage „Wo geht es hier raus?“ hängt in den meisten Betrieben schon an der Wand: der Flucht- und Rettungsplan. Wer ihn in wenigen Sekunden lesen kann, findet den kürzesten Weg nach draußen – und weiß, was unterwegs zu tun ist.

Brandalarm in anderthalb Minuten erklärt. Sprecherstimme KI-generiert.

Was auf einem Flucht- und Rettungsplan steht

Ein Flucht- und Rettungsplan ist ein vereinfachter Grundriss des Gebäudes. Nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 muss er aktuell, übersichtlich und gut lesbar sein und mit Sicherheitsfarben sowie Rettungs- und Brandschutzzeichen arbeiten. Darauf finden Sie:

  • Ihren Standort: ein deutlich markierter Punkt, meist mit dem Hinweis „Sie befinden sich hier“. Hier beginnt jede Orientierung.
  • Die Fluchtwege: grün hinterlegt, mit Pfeilen bis ins Freie oder in einen sicheren Bereich. Oft zeigen sie in zwei Richtungen – je nachdem, wo Sie stehen, ist mal der eine, mal der andere Weg kürzer.
  • Brandschutzeinrichtungen: rote Zeichen für Feuerlöscher, Brandmelder und Wandhydranten.
  • Erste-Hilfe-Einrichtungen: grüne Zeichen, etwa für den Verbandkasten.
  • Die Sammelstelle: das grüne Zeichen mit den Personen und den vier Pfeilen.
  • Verhaltensregeln: wie man sich im Brandfall und bei Unfällen verhält, in der Regel als Brandschutzordnung Teil A.

Lagerichtig – damit der Plan zur Umgebung passt

Ein Plan hilft nur, wenn er so hängt, wie Sie davorstehen. Die ASR A2.3 verlangt deshalb, dass Flucht- und Rettungspläne bezogen auf den Standort des Betrachters lagerichtig angebracht werden. Was auf dem Plan vor Ihnen liegt, liegt dann auch im Gebäude vor Ihnen. Ein um 90 Grad verdrehter Plan kostet im Ernstfall genau die Sekunden, die man nicht hat.

Gute Stellen für den Aushang sind Orte, an denen viele Menschen vorbeikommen: Eingangsbereiche, Flure vor Treppen und Aufzügen und Kreuzungspunkte von Verkehrswegen.

Bei Rauch: tief bleiben und Türen schließen

Brandrauch steigt nach oben und füllt einen Raum von der Decke her. In Bodennähe sind Sicht und Atemluft meist noch am besten. Ist ein Flur verraucht, bewegen Sie sich deshalb geduckt. Ist ein Weg bereits stark verraucht, nehmen Sie den anderen – auch dafür zeigt der Plan zwei Richtungen.

Schließen Sie Türen hinter sich, aber schließen Sie sie nicht ab. Eine geschlossene Tür bremst den Rauch und hält den Fluchtweg länger frei, auch für alle, die nach Ihnen kommen.

Warum der Aufzug tabu ist

Im Brandfall wird kein Aufzug benutzt, auch wenn er noch fährt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Der Schacht wirkt wie ein Kamin. Rauch zieht in den Aufzugsschacht und verteilt sich über alle Stockwerke.
  • Die Lichtschranke kann die Tür offen halten. Dichter Rauch kann die Lichtschranke an der Tür auslösen. Hält der Aufzug in einem verrauchten Stockwerk, geht die Tür dann womöglich nicht mehr zu.
  • Der Aufzug kann stecken bleiben, zum Beispiel wenn der Strom ausfällt.

Viele Aufzüge haben eine Brandfallsteuerung: Bei Alarm fahren sie selbsttätig in eine sichere Haltestelle, öffnen dort die Tür und gehen außer Betrieb. Das verhindert, dass jemand in die Brandetage gefahren wird – es macht den Aufzug aber nicht zum Fluchtweg. Nehmen Sie immer die Treppe. Ob und wie Menschen, die keine Treppe gehen können, aus dem Gebäude gebracht werden, sollte der Betrieb vorher festlegen.

An der Sammelstelle: zählen und melden

Die Sammelstelle ist ein sicherer Bereich, an dem sich alle nach der Räumung treffen. Dort wird festgestellt, ob alle draußen sind. Fehlt jemand, sagen Sie das sofort der Feuerwehr – am besten mit dem Ort, an dem die Person zuletzt gesehen wurde. Gehen Sie nicht zurück ins Gebäude, um selbst zu suchen oder etwas zu holen.

Das Zählen klappt am besten, wenn jemand weiß, wer an diesem Tag im Haus ist – zum Beispiel die Schicht- oder Abteilungsleitung mit einer aktuellen Anwesenheitsliste.

Üben, damit es im Ernstfall sitzt

Den Weg nach draußen findet man unter Stress nur, wenn man ihn kennt. Die ASR A2.3 sieht deshalb vor, dass Beschäftigte mindestens einmal im Jahr über Fluchtwege und das Verhalten im Gefahrenfall unterwiesen werden. Der Flucht- und Rettungsplan gehört in diese Unterweisung, und am besten wird der Fluchtweg dabei einmal gemeinsam abgegangen.

Wo ein Flucht- und Rettungsplan erforderlich ist, sind außerdem regelmäßig Evakuierungsübungen durchzuführen. In der Praxis haben sich Abstände von zwei bis fünf Jahren bewährt. Wer bei der Räumung Aufgaben übernimmt, etwa als Brandschutzhelfer, wird zusätzlich jährlich auf die Abläufe im eigenen Betrieb unterwiesen. Wie viele Brandschutzhelfer Ihr Betrieb braucht, lesen Sie in unserem Beitrag Wie viele Brandschutzhelfer braucht ein Betrieb?

Wir unterstützen Sie

Wir bilden Ihre Brandschutzhelfer aus und üben dabei auch das richtige Verhalten im Brandfall. Bei der Wartung Ihrer Feuerlöscher prüfen wir gleich mit, ob die Geräte dort hängen, wo der Plan sie zeigt. Fragen Sie nach einem kostenlosen Rundgang – wir sehen uns Ihre Fluchtwege vor Ort an und sagen Ihnen ehrlich, was zu tun ist.

Häufige Fragen – kurz beantwortet

Was muss auf einem Flucht- und Rettungsplan stehen?

Der Standort des Betrachters, die Fluchtwege bis ins Freie, Brandschutz- und Erste-Hilfe-Einrichtungen, die Sammelstelle und Regeln für das Verhalten im Brandfall und bei Unfällen. Der Plan muss aktuell, übersichtlich und gut lesbar sein (ASR A2.3).

Was bedeutet „lagerichtig“ beim Flucht- und Rettungsplan?

Der Plan ist so ausgerichtet, wie der Betrachter davorsteht: Was auf dem Plan vor ihm liegt, liegt auch im Gebäude vor ihm. Die ASR A2.3 verlangt diese Anbringung.

Warum darf man im Brandfall keinen Aufzug benutzen?

Der Schacht zieht Rauch wie ein Kamin, dichter Rauch kann die Lichtschranke auslösen und die Tür offen halten, und bei Stromausfall kann der Aufzug stecken bleiben. Nehmen Sie immer die Treppe.

Wie oft muss die Räumung geübt werden?

Unterwiesen wird mindestens einmal im Jahr, einschließlich Flucht- und Rettungsplan. Evakuierungsübungen sind dort, wo ein Plan erforderlich ist, regelmäßig durchzuführen; bewährt haben sich Abstände von zwei bis fünf Jahren (ASR A2.3).

Can Kavak

Zertifizierter Brandschutzexperte · Der Brandschutzprofi

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