Löschübung: Warum Brandschutzhelfer einmal selbst löschen sollten
Ein Papierkorb brennt, der Feuerlöscher hängt gleich nebenan – und trotzdem zögern viele. Wer noch nie einen Löscher ausgelöst hat, weiß nicht, wie er sich anfühlt, wie weit er reicht und wie schnell er leer ist. Genau deshalb besteht die Ausbildung von Brandschutzhelfern aus Theorie und Praxis. Was man in der Löschübung lernt und warum sie durch nichts zu ersetzen ist.
Die Löschübung gehört zur Ausbildung
Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 verlangt, dass der Arbeitgeber eine ausreichende Anzahl von Beschäftigten durch Unterweisung und Übung im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen vertraut macht. Sie sagt es sogar ausdrücklich: Praktische Übungen, also Löschübungen, gehören zur fachkundigen Unterweisung der Brandschutzhelfer.
Die DGUV Information 205-023 beschreibt die Ausbildung entsprechend als Verbindung aus fachkundiger Unterweisung und praktischer Übung. Für die Theorie sind mindestens zwei Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten vorgesehen. Für die Praxis soll jede teilnehmende Person genug Übungszeit bekommen; erfahrungsgemäß reichen dafür 5 bis 10 Minuten pro Person. Wie viele Brandschutzhelfer Ihr Betrieb überhaupt braucht, lesen Sie in unserem Beitrag Wie viele Brandschutzhelfer braucht ein Betrieb?
Was man nur mit dem Löscher in der Hand lernt
In der Theorie lässt sich erklären, wie ein Feuerlöscher aufgebaut ist und welches Löschmittel zu welcher Brandklasse passt (dazu mehr im Beitrag Welcher Feuerlöscher gehört wohin?). Was sich nicht erklären lässt, ist das Gefühl dafür. Die DGUV nennt als Inhalte des Praxisteils deshalb die Handhabung und die Auslösemechanismen, die Löschtaktik und die eigenen Grenzen. Die Teilnehmenden sollen Wirkungsweise und Leistungsfähigkeit der Geräte selbst erfahren.
Dazu gehört ein echtes Feuer. Nach den Hinweisen der DGUV zur Durchführung von Löschübungen sollen die Teilnehmenden bei der Ausbildung mit Hitze, Flammen und Flammenbewegungen konfrontiert werden, zum Beispiel an einem gasbetriebenen Brandsimulator. Rein virtuelle Systeme wie VR-Brillen reichen für die Erstausbildung nicht aus; sie sind eher eine Abwechslung bei der späteren Auffrischung.
Was viele in der Übung überrascht: Ein Feuerlöscher ist schnell leer. Die Mindestfunktionsdauer tragbarer Feuerlöscher liegt je nach Füllmenge zwischen 6 und 15 Sekunden, ein Löscher mit 6 Kilogramm Füllung ist nach etwa 10 Sekunden leer. Wer das einmal erlebt hat, löscht gezielter.
Die Löschtaktik: sechs Regeln aus der Übung
Das Plakat „Feuerlöscher richtig einsetzen“ der DGUV fasst zusammen, worauf es ankommt. In der Übung wird daraus eine Bewegung, die sitzt:
- Wind im Rücken, Abstand halten. Sie greifen das Feuer mit dem Wind an, nie gegen ihn, und bleiben auf sicherer Distanz.
- Auf das Brandgut zielen. Gelöscht wird nicht die Flamme, sondern das, was brennt.
- Flächen von vorn nach hinten. Brennt eine Fläche, setzen Sie vorn und unten an und arbeiten sich nach hinten vor.
- Tropf- und Fließbrände von oben nach unten. Nur wenn brennende Flüssigkeit herabtropft oder fließt, beginnen Sie oben.
- Mehrere Löscher gleichzeitig. Reicht ein Gerät nicht, setzen mehrere Helfer ihre Löscher zusammen ein, nicht nacheinander.
- In kurzen Stößen löschen. So verbrauchen Sie nur so viel Löschmittel wie nötig und behalten eine Reserve, falls es wieder aufflammt.
Die eigene Grenze kennen
Brandschutzhelfer bekämpfen Entstehungsbrände. Die ASR A2.2 versteht darunter Brände mit so geringer Rauch- und Wärmeentwicklung, dass man sich bei freier Sicht auf den Brandherd noch gefahrlos nähern kann. Daraus ergibt sich die wichtigste Regel der ganzen Ausbildung: Gelöscht wird nur, solange Sie sich selbst nicht gefährden. Breitet sich der Brand aus, wird es zu heiß oder nimmt der Rauch die Sicht, ziehen Sie sich zurück.
Auch die Reihenfolge steht auf dem DGUV-Plakat: Ruhe bewahren, die Anwesenden und die Feuerwehr alarmieren und erst dann löschen. Wie alle sicher aus dem Gebäude kommen, erklärt unser Beitrag Flucht- und Rettungsplan lesen.
Nach dem Löschen: beobachten und nicht zurückhängen
Ist das Feuer aus, ist die Arbeit noch nicht ganz getan. Behalten Sie die Brandstelle im Auge, denn ein gelöschter Brand kann sich wieder entzünden. Und der benutzte Löscher kommt nicht zurück an seinen Platz. Er muss erst neu gefüllt und geprüft werden. Das gilt auch dann, wenn er nur kurz ausgelöst und erst teilweise entleert wurde. Das Füllen und Prüfen übernehmen wir im Rahmen der Feuerlöscher-Wartung.
Wie oft sollte geübt werden?
Einmal gelöscht zu haben ist viel wert, hält aber nicht ewig. Nach der ASR A2.2 hat es sich bei normaler Brandgefährdung bewährt, die Unterweisung mit Übung in Abständen von 2 bis 5 Jahren zu wiederholen. Den genauen Abstand legt der Arbeitgeber anhand der Gefährdungsbeurteilung fest. Die DGUV Information 205-023 weist außerdem darauf hin, dass bei wesentlichen betrieblichen Änderungen früher aufgefrischt werden sollte, etwa bei neuen Arbeitsverfahren mit anderer Brandgefährdung.
So üben wir mit Ihren Brandschutzhelfern
In unserer Ausbildung zum Brandschutzhelfer kommen Theorie und Praxis an einem Termin zusammen, direkt bei Ihnen im Betrieb. Nach dem Theorieteil nimmt jede und jeder den Löscher selbst in die Hand und löscht ein echtes Feuer. Dabei üben wir genau die Punkte, auf die es ankommt: auslösen, zielen, Abstand, Löschrichtung und der Moment, in dem man besser geht.
Wie gut ist Ihr Betrieb vorbereitet? Fragen Sie nach einem kostenlosen Rundgang. Wir sehen uns Ihre Feuerlöscher und Ihre Brandschutzorganisation vor Ort an und sagen Ihnen ehrlich, was zu tun ist.
Häufige Fragen – kurz beantwortet
Gehört eine Löschübung zur Ausbildung der Brandschutzhelfer?
Ja. Die ASR A2.2 verlangt Unterweisung und Übung im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen und nennt praktische Löschübungen ausdrücklich als Teil der fachkundigen Unterweisung. Auch die DGUV Information 205-023 beschreibt die Ausbildung als Verbindung aus Unterweisung und praktischer Übung.
Reicht eine Löschübung mit VR-Brille oder am Bildschirm?
Für die Erstausbildung nicht. Nach den Hinweisen der DGUV sollen die Teilnehmenden mit einem realen Feuer konfrontiert werden, also mit Hitze und Flammen, zum Beispiel an einem gasbetriebenen Brandsimulator. Virtuelle Systeme sind eher eine Abwechslung bei der späteren Auffrischung.
Wie oft sollte die Löschübung wiederholt werden?
Nach der ASR A2.2 hat es sich bei normaler Brandgefährdung bewährt, die Unterweisung mit Übung in Abständen von 2 bis 5 Jahren zu wiederholen. Den genauen Abstand legt der Arbeitgeber anhand der Gefährdungsbeurteilung fest; bei wesentlichen betrieblichen Änderungen sollte früher aufgefrischt werden.
Was passiert mit einem Feuerlöscher, der benutzt wurde?
Er kommt nicht zurück an seinen Platz, sondern muss neu gefüllt und geprüft werden. Das gilt auch, wenn er nur kurz ausgelöst und erst teilweise entleert wurde.
Can Kavak
Zertifizierter Brandschutzexperte · Der Brandschutzprofi
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